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Sunlight A 70: Alkhoven-Wohnmobil im Test So schlägt sich der Sunlight A 70 im Dauertest von AUTO BILD REISEMOBIL

— 03.04.2021

So schlägt sich der Sunlight A 70 im Dauertest von AUTO BILD REISEMOBIL

Der günstige Raumriese Sunlight A 70 hat den harten Dauertesteinsatz erfolgreich hinter sich gebracht. Ausgebremst wurde er nur von Corona – und einmal durch Überhitzung.

Kennen Sie das? Sie bekommen ein Geschenk und öffnen gaaanz langsam, behutsam und voller Vorfreude den Karton? Genau so öffneten wir die Türen unseres neuen Dauertests Sunlight A 70. Laufleistung: frische neun Kilometer. 

Für uns ist dieser Dauertest sogar doppelt spannend, denn unter dem Alkoven steckt der neue 2,3-Liter-Ducato mit AdBlue, den wir das erste Mal auf seine Dauerleistung testen.

Hersteller wollen Alkoven vom piefigen Image befreien

Die Sitzgruppe ist groß und wirkt mit den schwarz-grau-weißen Polstern recht edel.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Das ist er: Auf den ersten Blick ein ziemlicher Riese, auf den zweiten Blick aber tatsächlich nur 7,25 Meter lang und damit mehr als 20 Zentimeter kürzer als der Ahorn Alaska TD in unserem Dauertest-Fuhrpark. Es ist die Höhe des Alkovens, die Eindruck macht. Obwohl die Wohnmobile mit der großen Nase über dem Fahrerhaus schon seit Jahren totgesagt werden, sind sie noch immer gut vertreten auf dem deutschen Markt – vielleicht auch deshalb, weil Hersteller wie Sunlight dem piefigen Image der Bauform mit Palmen in der Werbung, schickem Design und Geschichten von jungen Extremsportlern begegnen. In Sachen Optik macht der Sunlight A 70 mit seinem modernen, klaren Design außen wie innen viel her. Der Grundriss ist klassisch und besteht aus Querbett im Heck, Alkovenbett, sehr geräumigem Badezimmer, Vierer-Sitzgruppe dahinter und großer Küche auf der Einstiegsseite. Die offen gestaltete Blickachse und die hohe Decke im Wohnraum sorgen für ein unglaubliches Raumgefühl von Weite und Größe.

Unfassbar viel Platz und Stauraum

Das Querbett ist schön groß, doch die Matratze fällt etwas zu dünn aus.

©Sven Krieger / AUTO BILDSven Krieger / AUTO BILD

Das hat er: Seine guten und schlechten Seiten. Zum einen gehören zur Serienausstattung in Wagenfarbe lackierte Frontstoßfänger, USB-Steckdosen, die große Truma Combi 6 sowie ESP und Hillholder. Zum anderen listet Sunlight in seiner Preisliste sogenannte “Zwangsoptionen” auf, die extra bezahlt werden müssen, wenn der Kunde sich gegen bestimmte Pakete entscheidet. Das gilt unter anderem für die Steckdosen im Küchenblock und in der Garage (jeweils 49 Euro), die Duschraumverkleidung (499 Euro) oder den höhenverstellbaren Beifahrersitz (129 Euro). Auch der Beifahrerairbag steht mit 399 Euro in der Liste der Sonderausstattungen, dito Beckengurte und Kopfstützen für die Mitfahrer 5 und 6 (349 Euro).

 

Stärken Schwächen
– Schlichtes und modernes Innendesign – Schaummatratzen zu dünn und weich
– Großer Tisch und gemütliche Polster – Langer Hecküberhang
– Stehhöhe auch für große Menschen geeignet – Nur wenige Fenster
– Trotz Größe und Länge sicheres Fahrverhalten – Kein isolierter Doppelboden
– Alkovenbett groß genug auch für Erwachsene – Fahrradheckträger nur sehr hoch montierbar
– Enorm viel Platz und Stauraum – Heizleistung im Heckbereich nicht ausreichend

Dafür punktet der Sunlight A 70 mit unfassbar viel Platz und Stauraum. Wir zählen insgesamt neun Dachschränke, einen geräumigen Kleiderschrank und eine Heckgarage mit Durchreiche, in der man fast noch ein weiteres Zimmer unterbringen könnte. Und die Qualität? Solide – bis auf die Matratze im Heckbett. Die erwies sich als zu dünn, die Camperhüfte liegt auf dem Holz des Lattenrosts auf. Auch an Warmluftdüsen fehlt es hinten. Die starke Combi 6 lief eine ganze Weile, bis bei fünf Grad Außentemperatur der Schlafbereich endlich warm wurde.

75-Liter-Tank reduziert die Reichweite

Der hohe Aufbau sorgt bei schnell gefahrenen Ausweichmanövern für viel Unruhe im Fahrwerk.

©Bernd Hanselmann / AUTO BILD

So fährt er: Ziemlich komfortabel. Klar, der hohe Aufbau neigt wie bei allen Alkoven zum leichten Wanken in den Ausweichtests. In dieser Hinsicht tun Länge und Überhang dem Sunlight als Gegengewicht zum hohen Schwerpunkt ganz gut. Die optionalen 140 PS (949 Euro) sind sogar auf hügeligen Etappen ausreichend – weniger sollten es jedoch nicht sein. Eine Schwäche des neuen Ducato: Um das Gewicht des Basisfahrzeugs durch den neuen AdBlue-Tank nicht noch weiter zu erhöhen, verkleinerte Fiat den Dieseltank von serienmäßigen 90 Litern auf 75 Liter und damit auch die Reichweite. Hinzu kommt die ungenaue Füllstandsanzeige des Harnstoffs. Sobald fünf von 19 Litern AdBlue verbraucht sind, piept der Ducato einmal panisch, zeigt eine orangefarbene Warnleuchte an und verlangt nach sofortiger Befüllung, obwohl noch genug im Tank wäre.

Das ist während des Dauertests aufgefallen

Der Fahrradträger hängt zu hoch. Eine Lift-Funktion wäre rückenschonender.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Über die gesamte Testdauer konnte nichts den Sunlight A 70 ausbremsen – außer der rätselhafte Liegenbleiber, der Redakteurin Helene Schmidt bei hochsommerlichen Temperaturen auf der A 61 ereilte. Nachdem sie knapp vier Stunden in einem Stau stehen musste, ging auf einer anschließenden Steigung nichts mehr: Piep, gelbe Motorkontrollleuchte, Notlaufprogramm! Laut Fehlerprotokoll waren Turboladedruck und Temperatur zu hoch, wie sich später in der Werkstatt herausstellt. Schäden? Keine, immerhin. In die Werkstatt ging’s deshalb nur noch zwei weitere Male: zur Nachrüstung des Infotainmentsystems Alpine X903DDU2 (ab 1699 Euro) inklusive Rückfahrkamera sowie dreier Halterungen an der Heckwand. Die braucht’s für den Quipon-2er-E-Bike-Träger (ab 259 Euro) aus dem Movera-Zubehörprogramm, der sich leicht selbst montieren lässt, aber eine zu große Beladehöhe hat. Was zudem nervte: besagte übervorsichtige AdBlue-Füllstandsanzeige. Ansonsten passte der neue 140-PS-Motor (949 Euro) gut zur Fahrzeuggröße und verhalf zu ordentlichen Fahrleistungen.

Zubehör für autarkes Campen

Porta Potti

Preis*: ab 61,98 Euro

Mobicool B40 Kompressor-Kühlbox

Preis*: 203,73 Euro

ECO-WORTHY 120W faltbares Solarpanel

Preis*: 149,99 Euro

Campingkocher

Preis*: 68,09 Euro

Güde Stromerzeuger GSE 5501

Preis*: 1112,03 Euro

Biolan Simplett Bio Trockentoilette

Preis*: 339,95 Euro

*Preise: Stand 20.08.2020

Und der Aufbau? Bis auf ein ausgeleiertes Scharnier an der Durchladetür zum Heckstauraum und die laschen Matratzen ließ sich kein Verschleiß feststellen. Das erfreut umso mehr, als es sich bei den von Capron im sächsischen Neustadt gefertigten Sunlight ja um Einsteigermodelle handelt. Dafür fällt das an Basics wie dem fehlenden Beifahrerairbag genauso auf wie an zu wenigen Warmluft-Austrittsdüsen der Truma Combi 6 und dem Einfachboden, der die Wintertauglichkeit einschränkt. Insofern wird wohl kaum ein A 70 zum Basispreis vom Händlerhof rollen. Allen Testpersonen gefallen hat dagegen das gemütliche Ambiente im Interieur. Mit hellem Holzdekor, mattweiß abgesetzten Klappen sowie der sanften Beleuchtung sorgt es für Wohlfühlstimmung. Dazu passend sind die Polster der Sitzgruppe nicht zu weich und mit kuschelig-filzartigem Stoff bezogen. Und die gigantischen Gepäckkapazitäten erfüllten zusammen mit der Zuladung von 564 Kilo auch die Bedürfnisse von Besatzungen in Familiengröße.

Fazit: Ein Basispreis ist nur ein Basispreis. Das hat sich beim A 70 erneut bewiesen. Denn so verlockend das Angebot auch klingt – ohne ein paar Kreuzchen auf der Sonderausstattungsliste kommt der Spaß zu kurz. Serienmäßig sind dagegen das enorme Platzangebot, die routinierte Verarbeitung und ein beruhigend sicheres Fahrverhalten.

Sunlight A 70
Technische Daten
Motorisierung MultiJet II 140
Motor/Bauart/Zylinder/ Einbaulage Diesel/in Reihe/ vier/vorn quer
Hubraum 2287 cm3
kW (PS) bei U/min 103 (140) bei 3600
Nm bei U/min 350 bei 1400
Höchstgeschwindigkeit 125 km/h
Getriebe Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/75 R 16 CP
Reifentyp Michelin Agilis Camping
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 75 l/Diesel
Anhängelast gebremst/ ungebremst 2500/750 kg
Länge/Breite/Höhe 7250/2320/3140 mm
Radstand 4035 mm
Messwerte
Beschleunigung
0-50 km/h 5,5 s
0-80 km/h 14,1 s
0-100 km/h 23,8 s
Elastizität
60-100 km/h 15,6 s (4. Gang)
80-110 km/h 7,2 s (letzter Gang)
Masse fahrbereit 2936 kg
Zuladung/zgl. Gesamtgew. 564 kg/3500 kg
Wendekreis links/rechts 14,8/14,6 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 43,9 m
Bremsweg aus 100 km/h warm 43,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A)
bei 80 km/h 67 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 12,9 l D – 265 g/km
Reichweite 581 km
Aufbau
Außenmaterial Wand/Dach/Boden Alu/GFK/ Holzverbund
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden EPS/EPS/EPS
Wandstärke Wand/Dach/Boden 34/34/41 mm
Fenster 7
Dachhauben 2
Max. Innenhöhe/-breite 2345/2180 mm
Bettenmaß Heck (L x B) 2100 x 1485-1300 mm
Bettenmaß Mitte (L x B) 1850 x 1000 mm
Bettenmaß vorn (L x B) 2100 x 1570 mm
Herd 3 Flammen
Kühlschrank/Eisfach 164/29 l
Modell Toilette Thetford Cassette
Sitzplätze/ mit Dreipunktgurten 6/4
Heizung Truma Combi 6
Steckdosen 12/230 V 1/2
Leuchten 10
Aufbaubatterie 95 Ah
Frischwassertank 122 l
Abwassertank 92 l
Gasvorrat 2 x 11 kg
Kosten/Garantien
Abgasnorm Euro 6d-Temp-Evap
Steuer pro Jahr 240 Euro
Versicherungen (HPF/VK)* 355/1069 Euro
Werkstattintervalle 24 Monate/48.000 km
Garantie Basis/Durchrostung 2/12 Jahre
Garantie Aufbau/Dichtheit 2/7 Jahre
Mobilitätsgarantie 2 Jahre
Preise
Grundpreis (mit Basismotor) 45.999 Euro
Testwagenpreis 52.901 Euro
* VK SB 300 Euro inkl. TK SB 150 Euro, jährliche Zahlweise; Alle Angaben ohne Gewähr

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